Wilhelm Reich

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Wilhelm Reich

* 24.3.1897

Wilhelm Reich wird in Galizien, dem östlichsten Teil Österreich-Ungarns, als erster Sohn jüdischer Eltern geboren und wächst auf dem von seinem Vater betriebenen Landgut in der benachbarten Bukowina auf.

1910

Seine Mutter Cecilia nimmt sich in der Folge einer Affäre mit einem Hauslehrer das Leben. Der junge Wilhelm hatte die beiden überrascht und die Liaison durch Andeutungen seinem Vater gegenüber aufgedeckt, was ihm noch viele Jahre später schwere Schuldgefühle einträgt.

1914

Reichs Vater stirbt an Lungenentzündung. Der 17-jährige Wilhelm geht weiterhin zum Gymnasium und verwaltet das Landgut der Familie.

1915-18

Im Ersten Weltkrieg wird der Besitz der Familie zerstört; Reich tritt in die österreichische Armee ein, wird Leutnant und kämpft an der Front in Italien.

1918-22

1920 Reich studiert Medizin in Wien.

1920

Er wird Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung und von Sigmund Freud in der Arbeit als Analytiker gefördert.

1922

1922 Reich heiratet eine ehemalige Patientin, die Medizinstudentin Annie Pink. Aus der Ehe gehen die Töchter Eva und Lore hervor.

1920er

Reich betreibt psychoanalytische Forschungen, veröffentlicht 1925 sein Buch "Der triebhafte Charakter", 1927 "Die Funktion des Orgasmus". Er leitet das für angehende Analytiker konzipierte Seminar für Psychoanalytische Therapie und entwickelt seine Methode der Charakteranalyse und die Idee der orgastischen Potenz. Zunehmend bemüht sich Reich um eine Synthese von Freud'schem und marxistischem Denken.

1930

1928 Er zieht von Wien nach Berlin, tritt dort der KPD bei und gründet mit deren Unterstützung 1931 den "Deutschen Reichsverband für proletarische Sexualpolitik" (Sexpol), einen Zusammenschluss verschiedener sexualreformerischer Gruppen. Reich geht von einem engen Zusammenhang zwischen sexueller und politischer Unterdrückung aus.

1930-34

Nicht zuletzt durch seine Orgasmustheorie gerät Reich in zunehmende Opposition zu Freud und der orthodoxen analytischen Bewegung. 1934 wird er aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen, hauptsächlich aus politischen Gründen. So hatte Reich bereits 1933 vorgeschlagen, die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft aufzulösen, um einer Gleichschaltung durch die Nazis zuvorzukommen. Auch mit der Kommunistischen Partei kommt es in diesen Jahren zum Bruch.

1932

Wilhelm Reich geht mit der Tänzerin und politischen Aktivistin Elsa Lindenberg eine Liebesbeziehung ein; in der Folge lässt er sich von seiner Frau Annie scheiden.

1933

Nach Hitlers Machtergreifung verlassen Reich und Elsa Berlin; sie leben vorwiegend in Kopenhagen, ab 1934 in Oslo. Noch 1933 erscheinen die beiden Bücher "Charakteranalyse" und "Massenpsychologie des Faschismus".

1934-39

Für Reich rückt der Körper immer stärker in den Mittelpunkt seiner analytischen Arbeit. Die sexuelle Energie, die von Freud zuletzt fast nur noch als abstrakte Idee behandelt worden war, begreift Reich sehr konkret als im vegetativen Nervensystem verwurzeltes bio-elektrisches Phänomen; den Orgasmus beschreibt er als "elektrophysiologische Entladung". Mit Elektrodenmessungen an der Haut versucht er Lust- und Angstgefühle eindeutig zu fassen. Eine der Versuchspersonen ist der ebenfalls nach Norwegen emigrierte spätere Bundeskanzler Willy Brandt. Reich beobachtet Körperhaltung und Atmung seiner Patienten, schließt von Muskelverhärtungen - dem "Muskelpanzer" - auf dahinter liegende Abwehrmechanismen gegen traumatische Erfahrungen. Ziel der nun als "Vegetotherapie" bezeichneten Behandlung ist es, muskuläre, emotionale und energetische Blockaden zu lösen.

1939

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs emigriert Reich in die USA. Elsa Lindenberg bleibt in Oslo. Nach einer heftigen Umbruchphase trennen sie sich. Reich lernt die aus Deutschland emigrierte Sozialistin Ilse Ollendorf kennen, die er später heiratet.

1940

Laborexperimente und die Beobachtung von Lichtphänomenen am Nachthimmel führen Reich zur Annahme einer universellen, sowohl im Körper als auch im Kosmos vorhanden Lebensenergie. Reich nennt sie "Orgon" - ein Kunstwort, abgeleitet von den Begriffen Organismus und Orgasmus. Für seine Experimente baut Reich kastenartige Apparate, deren Wände aus wechselnden Schichten von Metall und organischem Material wie Wolle und Holzfaser bestehen. In diesen Kästen beobachtet er konstante Lichtphänomene und dauerhafte Temperaturunterschiede zur Umgebung. Offenbar, so sein Schluss, wird die Energie im Innern der Kästen konzentriert, die er entsprechend als Orgon-Akkumulatoren bezeichnet.

1941

Reich trägt in Princeton seine Entdeckungen Albert Einstein vor, der fasziniert ist von der Orgontheorie und eigene Beobachtungen mit dem Akkumulator durchführt. Dabei bestätigt sich die besagte Temperaturdifferenz, Einstein erklärt sie sich allerdings durch Konvektion unterschiedlich warmer Luftströme; er verfolgt Reichs Ansätze trotz dessen Drängen nicht weiter.

1942

Der erste Band von "The Discovery of the Orgone" wird veröffentlicht; der zweite folgt sechs Jahre darauf. Reich kauft eine Farm im US-Staat Maine, er nennt sie "Orgonon". Hier richtet er Laboratorien ein, später auch ein Observatorium zur Beobachtung atmosphärischer Orgonenergie-Phänomene. Auf Orgonon befindet sich heute das Wilhelm-Reich-Museum.

1940er

1944 Reich fertigt ausreichend große Akkumulatoren, in denen Patienten zur energetischen Aufladung Platz nehmen können; er erprobt das Verfahren bei einer Reihe von an Krebs erkrankten Personen und entwickelt damit einen ganz neuen, biophysikalischen Behandlungsansatz. Auch seine körperpsychotherapeutische Methode baut er weiter aus, nennt sie jedoch nicht mehr Vegetotherapie, sondern Orgontherapie.

1944

Reichs und Ollendorfs gemeinsamer Sohn Peter kommt zur Welt.

1947

Ein Zeitungsartikel mit dem Titel "The Strange Case of Wilhelm Reich" markiert eine entscheidende Wende. Der Text behauptet fälschlicherweise, die Orgon-Akkumulatoren dienten Patienten zur Steigerung ihrer orgastischen Potenz, und fordert die Behörden zum Handeln gegen die vermeintlich gesundheitsgefährdenden Geräte auf. Die für medizinische Apparaturen zuständige Zulassungsbehörde FDA leitet in der Folge eine viele Jahre währende Untersuchung gegen Wilhelm Reich ein.

1950er

Reich unternimmt Experimente mit dem so genannten Cloudbuster, einem aus Metallröhren bestehenden Instrument. Es soll der energetischen Beeinflussung des Wetters und der Bildung und Aufl&¨sung von Regenwolken dienen.

1954

Auf Antrag der FDA verfügt ein US-Bundesgericht, dass sämtliche Akkumulatoren sowie alle Publikationen, die entsprechende Gebrauchsanweisungen enthalten, zerstört werden müssen. Zudem verpflichtet man Reich, alle Schriften, die Hinweise auf das Konzept der Orgonenergie geben, dem Verkauf zu entziehen oder die fraglichen Stellen zu löschen - eine angesichts der inzwischen weiten Verbreitung seiner Werke ganz unrealistische Forderung.

1955

Während sich Reich bei einem Cloudbuster-Experiment in Arizona befindet, transportiert einer seiner Schüler, Michael Silvert, Akkumulatoren und Bücher von Maine nach New York City. Dies wird als direkter Verstoß gegen die gerichtliche Verfügung gewertet.

1956

Auf Betreiben der FDA werden Reich und Silvert angeklagt. In einem überraschend harten Urteil verhängt der zuständige Richter eine einjährige Gefängnisstrafe für Silvert, eine zweijährige für Reich. FDA-Beamte überwachen nun die Zerstörung der Akkumulatoren und die Verbrennung mehrerer Tonnen Bücher, darunter auch englische Ausgaben früher Werke Reichs wie der "Charakteranalyse" und der "Massenpsychologie des Faschismus". Bürgerrechtler versuchen bei der FDA gegen die Verbrennung zu intervenieren, doch Reich lehnt ihre Unterstützung ab.

3.11.1957

1957 Wilhelm Reich stirbt an Herzversagen im Gefängnis in Lewisburg, Pennsylvania, und wird auf Orgonon beigesetzt. Zuvor hatte er in seinem Testament verfügt, dass sein Nachlass mit Briefen, Dokumenten und Protokollen, der in 200 Kartons an der Harvard Medical School lagert, erst 50 Jahre nach seinem Tod, Ende 2007, für die Öffentlichkeit zugänglich wird.
Quelle:
http://www.wilhelm-reich-kongress.de/wrk_wilhelmreich_biographie.html

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